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Die Offensive gegen die
Pelzindustrie. Ein Rückblick (2000-2002).
Die Kampagne gegen C&A Das Comeback der Pelzindustrie Ende der 90er Jahre „Wir sind offen
gesagt enttäuscht, daß C&A Deutschland sich wieder für Gewalt gegen
Tiere ausspricht, galt Ihr Unternehmen für uns doch jahrelang als Vorzeigemodehaus
für verantwortungsbewußte Verkaufspolitik.“ Zugegeben stimmt dieser Satz
des ersten Schreibens der Offensive
an das Unternehmen C&A am 1. März 2000 anlässlich ihres Wiedereintritts
in den Pelzverkauf nicht ganz. Lederbekleidung, Wolle und Seide waren
leider nie aus dem Verkaufssortiment von C&A genommen worden. Gewalt
gegen Tiere war für C&A somit nie tabu. Doch mit C&A’s Neueröffnung
seiner Pelzabteilungen im Winter 1998 überschritten sie eine von der
Tierrechtsbewegung umkämpfte untere Grenze der Wirtschaftsethik. Proteste gegen Pelz reichen in der BRD bis in die 80er
Jahre des 20. Jahrhunderts zurück. In den 90er Jahren galt dieser Kampf,
nach zahlreichen Demonstrationen, Kundgebungen, Informationsveranstaltungen,
Aktionen des Zivilen Ungehorsams und Befreiungen von sogenannten Pelztieren
aus den Zuchtanlagen als für die Tiere weitgehend gewonnen. Die Beziehung
von Menschen zu den anderen Tieren, vornehmlich zu den sogenannten Nutztieren,
wurde von der sich formierenden Tierrechtsbewegung immer wieder durch
Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit zur Diskussion gestellt, ihre Ausbeutung
in ihrem gewaltigen Ausmaß der Gesellschaft bewusst gemacht. Je nach
gesellschaftlicher Relevanz, die ein tierliches „Produkt“ hatte, wurde
die Kritik der TierrechtlerInnen an der systematischen Verfolgung, Gefangennahme,
Entwürdigung, Folter und Ermordung von Tieren unterstützt oder abgelehnt.
Beim Thema Pelz konnte sich die Tierrechtsbewegung der Unterstützung
ihrer Forderungen durch einen Großteil der Gesellschaft sicher sein.
Die Pelzindustrie schrieb rote Zahlen. „Pelzfarmen“ wurden aufgelöst,
Pelzgeschäfte geschlossen. Respekt gegenüber tierlichen Individuen schien
zumindest beim Thema Pelz gesichert. Doch Ende der 90er Jahre meldete sich die Pelzindustrie
zurück, schwimmend auf einem gesellschaftlichen Trend, der bis heute
Mainstream zu sein scheint: Anti-Moral sei nun „geil“ in der Fun-Generation,
Ich-Gesellschaft; Egozentrismus auf Kosten anderer, „weil ich es mir
wert bin“, und die anderen keinen Eigenwert mehr haben, nur noch Mittel
zum Zweck der eigenen Interessen sind – diese sozialen Konstrukte werden
von der Wirtschaft beständig reproduziert.
Doch noch war die Akzeptanz für Pelz nicht wieder hergestellt.
Zu sehr sah man dem Pelz an, das es jemand war, ein tierliches Individuum. Also wurde geschoren, gefärbt
und gestückelt, bis man Pelz nicht mehr von Plüsch und damit jemand nicht mehr von etwas unterscheiden konnte. Die neuen
Strategien der Pelzindustrie
Aber dies war nur eine Strategie der Pelzindustrie.
„Materialmix“ war eine andere. Pelzapplikationen, Pelzbesätze, Pelzverbrämungen
sind jedoch keine Materialien, sondern zerstückelte Tierkörper. Doch
durch die Vermischung von teilweise echten Pelzen mit teilweise Webpelz
für Krägen und anderen Verbrämungen wurden die KundInnen absichtlich
in die Irre geführt. Mit den Pelzapplikationen macht die Pelzindustrie
heute wahrscheinlich mehr Umsatz, als durch den Verkauf von Pelzjacken
und Pelzmänteln. Die Wiedereröffnung der Pelzabteilungen bei C&A
Ende der 90er Jahre sowie der Boom an Pelzbesätzen brachte zeitgleich
mehrere Tierrechtsgruppen dazu, zu Protesten gegen diesen tierfeindlichen
Trend aufzurufen. Im Frühjahr 2000 schlossen sich diese und weitere
Gruppen aus dem gesamten Bundesgebiet zur Offensive
gegen die Pelzindustrie zusammen mit dem Ziel, der Gewalt gegen
Tiere in der Pelzindustrie ein Ende zu setzen, den Pelzhandel in all
seinen Erscheinungsformen zu stoppen. Im Gegensatz zu den Protesten der 80er und 90er Jahre,
die sich vor allem an die PelzträgerInnen und Pelzgeschäfte wandten,
richtet die Offensive ihren
Protest in erster Linie an diejenigen, die Tiere zur „Pelzerzeugung“
auf sogenannten Pelzfarmen gefangen halten und umbringen und an diejenigen
Bekleidungskonzerne und Warenhäuser, die Pelzbekleidung und Bekleidung
mit Pelzapplikationen verkaufen. Natürlich wendet sich die Offensive
auch an die politischen EntscheidungsträgerInnen, die sich weder auf
bundesdeutscher noch auf europäischer oder gar globaler Ebene auf ein
Verbot von Pelztierfarmen einigen wollen. Allein neue Anforderungen
an die Haltungsbedingungen von Tieren auf Pelztierfarmen wurden hier
und da diskutiert (siehe Politische
Initiativen auf dieser Website). Die Strategie
der Offensive: Campaigning gegen die Pelzindustrie
Die Offensive
versucht ihre Ziele mittels Kampagnen zu erreichen – eine Strategie,
die bereits in England die Pelzindustrie empfindlich getroffen hat (siehe
Strategie auf dieser Website). 1999 fanden
mehrere Demonstrationen vor Nerzfarmen statt. Im gleichen Jahr wurde
die Kampagne gegen die Nerzfarm Manfred Roßberger in Willich-Schiefbahn
(siehe www.schliesst-die-nerzfarm-rossberger.de) gestartet. Es waren
teilweise die gleichen TierrechtsaktivistInnen, die im darauffolgenden
Jahr die Kampagne gegen den Pelzverkauf bei C&A organisierten. C&A-Filialen gab es bundesweit sowie in einigen
anderen europäischen Ländern. Die Kampagne wurde somit zu einer Kampagne,
an der sich Tierschutz- und Tierrechtsgruppen sowie Einzelpersonen des
gesamten Bundesgebiet beteiligen konnten. Unterstützung bekam die Kampagne
zudem aus Österreich. Bundesweite Aktionstage, Run-Ins in die Pelzabteilungen von C&A, eine Ankettaktion und Dachbesetzung bei einer C&A-Filiale, kontinuierliche Demonstrationen vor C&A-Filialen, eine Demonstration vor der Konzernzentrale in Düsseldorf, Unterschriftenaktionen, das Versenden von Beschwerdekarten an C&A. Email-, Telefon- und Faxaktionen gegen C&A und vieles mehr erhöhten den Druck auf das Unternehmen. Zu einem Gespräch mit der Offensive war man dort jedoch nicht bereit. Anschreiben wurden ignoriert. Das Kampagnenteam wurde allein davon in Kenntnis gesetzt, dass das Unternehmen sich an geltende Gesetze und Richtlinien halte. Diese untersagen aber eben keine Gewalt gegen Tiere (siehe Rechtliche Bestimmungen auf dieser Website). Das machte die Offensive auch auf dem Informationsmaterial klar, einem eigens für die Kampagne gegen C&A erstellten Flugblatt, das in ganz Deutschland und in Österreich verteilt wurde. C&A’s Reaktion: Konfrontation statt Dialog
C&A ging auf Konfrontation: Ein brennendes C&A-Logo
auf der Website der Kampagne nahm C&A zum Anlass, Anzeige gegen
TierrechtlerInnen zu erstatten; die Website wurde gesperrt, das Verfahren
dauert noch an. Die Deutsche Städte-Medien GmbH wurde von C&A dazu
gebracht, den Tierversuchsgegnern
München e.V. die Plakatwand zu kündigen, weil sie dort auf den Pelzverkauf
bei C&A hinwiesen unter „Wir lassen morden für die Mode – Ihre C&A
Pelzabteilung“. Andere AktivistInnen der Kampagne wurden für ihre Aktionen
des Zivilen Ungehorsams gegen C&A von diesem Unternehmen angezeigt
und schließlich vom Gericht zu Geldbußen verurteilt. Doch all die verzweifelten Versuche C&A’s, die
Kampagne zu schwächen, hatten keinen Erfolg. Die Proteste gingen weiter.
Mittels einer Internetmailingliste und eines Rundbriefs wurden die Aktiven
über die Geschehnisse und Termine der Kampagne informiert. C&A erlitt
einen empfindlichen Imageschaden, während der Pelzverkauf nach eigenen
Angaben des Unternehmens nicht gut lief. Auch eine eigene Schulung ihrer
MitarbeiterInnen mittels einer „Pelzfibel“, die u.a. Tips geben sollte,
wie mit KundInnenkritik gegenüber Pelz umzugehen sei, erhöhte die Akzeptanz
von Pelz bei den KundInnen offensichtlich nicht. Der Boykottaufruf der
Offensive hatte Erfolg. C&A steigt aus dem Pelzverkauf aus
„C&A wird
in Zukunft keine Pelze mehr fuehren. Wir wünschen Ihnen alles Gute fuer
das neue Jahr.“ Was
hier am 10.01.2001 von C&A in einer Email an eine Privatperson mitgeteilt
wurde, wurde im Februar 2001 öffentlich: C&A steigt aus dem Pelzverkauf
aus. „Das Unternehmen C&A wird sich in den kommenden Monaten wieder aus
dem Verkauf von Pelzbekleidung zurückziehen. Damit beendet C&A die
Testphase des Verkaufs von Pelzbekleidung.“ Natürlich verneinte das Unternehmen, dass die Kampagne
der Offensive sie zu diesem
Wiederausstieg bewogen hat. Der Ausstieg wurde jedoch bislang nur teilweise
vollzogen. Zwar schloss das Unternehmen die Pelzabteilungen, Pelzverbrämungen
an Jacken, Mänteln, Schals, Pullover blieben aber bestehen. C&A
verkündete im Oktober 2002 gegenüber dem WDR ab 2003 nun endlich ganz
pelzfrei zu sein. Die Offensive
wird dies genau beobachten und bei Nichteinhaltung ihre Kampagne gegen
C&A wieder aufnehmen. Die Kampagne gegen die KarstadtQuelle AG KarstadtQuelle – eine große Herausforderung
Die KarstadtQuelle hatte im Gegensatz zu C&A ohne
Unterbrechung Pelzabteilungen geführt. Große Pelzabteilungen. In den
Metropolen Deutschlands. Aber nicht nur das unterschied die KarstadtQuelle
AG von C&A. Das neue Kampagnenobjekt war eine Aktiengesellschaft
mit vielfältigen Betätigungsbereichen und in dieser Aktiengesellschaft
zusammengeschlossenen Unternehmen. Karstadt, Hertie, KaDeWe, Alsterhaus,
Wertheim bildeten dabei die Unternehmensgruppe Karstadt Warenhaus AG.
Aber nicht nur in diesen Unternehmen des Stationären Einzelhandels verkaufte
die KarstadtQuelle AG Pelz. Auch in seinem Spezialversandhandel Madeleine
wurden Pelzwaren angeboten. Wer waren bei dieser AG nun die Gegner?
An den Vorstand, den Aufsichtsrat, die AktionärInnen, die GeschäftsleiterInnen
richtete sich die Aufforderung, aus dem Pelzhandel auszusteigen. Daneben
waren natürlich die Leiter der jeweiligen Pelzabteilungen potentielle
Adressaten des Protests. KarstadtQuelle ist Europas größter kombinierter
Warenhaus- und Versandhandelskonzern. Die Kampagne gegen C&A wurde
nach nur 1 Jahr beendet. Wie lange würde die Kampagne gegen den Giganten
KarstadtQuelle AG dauern? Tiere – vom Code of Conduct unberücksichtigt Die Kampagnenvorbereitung verlief ähnlich wie bei C&A:
es wurde ein Kampagnenflugblatt gedruckt, zudem erstellte die Offensive Protestkarten, eine Mailingliste
und Internetseite (www.tierrechtsaktion.de/karstadt) wurde eingerichtet,
ein erster Rundbrief vorbereitet. Am 12. Oktober 2001 wandte sich die Offensive in einem ersten Schreiben an die Karstadt Warenhaus AG in Essen. Wie C&A so hat auch die KarstadtQuelle AG in ihrer Unternehmensphilosophie ein Code of Conduct erstellt, in dem sie ihre wirtschaftsethischen Grundsätze formuliert. Tiere kamen hier jedoch wie bei C&A nicht vor. Die Karstadt Warenhaus AG wies die Vorwürfe der Offensive, sich verantwortungslos gegenüber Tieren zu verhalten, trotzdem zurück und verwies wie bereits C&A auf die Einhaltung rechtlicher Bestimmungen. Ein verbesserter Tierschutz sollte auf der politischen Ebene gesucht werden, nicht auf der wirtschaftlichen und erst recht nicht bei der KarstadtQuelle AG, so das Unternehmen. Ein Boykott einzelner Händler sei nicht erfolgsversprechend. Zu einem „konstruktivem Dialog“ sei das Unternehmen aber bereit. Das Gesprächsangebot der KarstadtQuelle AG wurde jedoch nicht aufrecht erhalten. Fast unbemerkt:
Der Otto Versand
stellt Verkauf von Kaninchenfell ein
Zwischenzeitlich hatte eine Tierrechtlerin des Kampagnenteams
der Offensive es alleine in
nur zwei Monaten geschafft, die Geschäftsleitung des Otto Versandes
davon zu überzeugen, den Verkauf von Kaninchenfell einzustellen. „Kanin“
wird häufig für Pelzverbrämungen verwendet. In einem ersten Antwortschreiben
vom 29.09.2001 schreibt der Otto Versand:
„Da sich Otto ausdrücklich zu seiner Verantwortung für den Umwelt-,
Arten- und Tierschutz bekennt, begann das Unternehmen bereits 1988 (...),
Felle bedrohter oder nicht artgerecht gehaltener Tierarten wie u.a.
Nerz, Marder und Zobel aus dem Sortiment zu streichen.“ Kaninchenfell
würden sie jedoch anbieten, da es als „Nebenprodukt“ anfalle. Die Münchner
Tierrechtlerin informierte daraufhin das Unternehmen darüber, dass weder
Kaninchenfelle, noch Schafsfelle oder Leder oder andere Teile eines
Tierkörpers als eine Art Abfallprodukt anzusehen ist, sondern einen
beachtlichen Teil des Umsatzes ausmacht. Otto gab daraufhin in einem
Schreiben vom 26.10.2001 bekannt, in Zukunft keine Kaninchenfelle mehr
zu verkaufen: „Aufgrund Ihrer Information und der Tatsache, dass wir nicht artgerechte Tierhaltung keinesfalls unterstützen, wurde die Entscheidung getroffen, dass Artikel mit oder aus Kaninchenfell nicht mehr von Otto geordert und angeboten werden.“ Früher Teilerfolg: Karstadt, Wertheim und Alsterhaus schließen ihre Pelzabteilung
Am 8. Dezember 2001 startete die Offensive offiziell ihre Kampagne gegen
die KarstadtQuelle AG mit Konzentration auf die Karstadt Warenhaus AG.
Kaum glauben konnten die TierrechtlerInnen, als sie am Tag des Kampagnenauftakts
in den Tageszeitungen lesen konnten, dass die KarstadtQuelle AG einige
ihrer Echtpelzabteilungen schließen würde: bei Karstadt, Wertheim und
Alsterhaus. Es gab keinen Zweifel, dass dies ein Teileingeständnis gegenüber
der Offensive war. Dieses machte zum einen
Hoffnung, dass man der KarstadtQuelle AG doch nicht ganz machtlos gegenüberstand,
zum anderen aber stellte sich die Frage, ob die KarstadtQuelle AG nach
dieser Entscheidung sich innerhalb von wenigen Jahren noch zu einem
kompletten Rückzug aus dem Pelzhandel bewegen lassen würde, oder ob
ihre Handlungsbereitschaft erst einmal erschöpft sei. Der Versandhandel
der KarstadtQuelle AG Madeleine gab unterdessen bekannt, dass sie „für einen Verzicht auf das Anbieten von Pelzen
in [ihren] Journalen (...) keine
Veranlassung [sehen]“. Nerzfarm Manfred Roßberger wird geschlossen
Das Jahr 2001 war ein schlechtes Jahr für die Pelzindustrie.
Ist dies ein sich ankündigendes Ende der Pelzindustrie? Die Offensive hat keinen Zweifel. Das Jahr
2001 war das Aus für den Nerzfarmbetreiber Manfred Roßberger aus Willich-Schiefbahn.
Der Winter 2001 war sein letzter, in dem er Tausende von kleinen schwarzen
Nerzen in eine Gasbox stecken und sie durch einen Erstickungstod umbringen
konnte, das letzte, in dem er Nerze ihrer Freiheit berauben und sie
in engen Käfigen einsperren durfte. Die Käfige sind heute abgebaut.
Nur noch das Gerippe der Schuppen steht. Tags und nachts, zwei Jahre
lang, haben TierrechtlerInnen aus dem gesamten Bundesgebiet, Holland
und Österreich für eine Schließung der Nerzfarm gekämpft. Mehrere Nerze
konnten befreit werden, der Nerzfarmer wurde bedrängt, er sollte nicht
mehr ruhig schlafen, solange die Nerze nicht in Ruhe leben konnten.
Ein ganzes Protestcamp wurde nur ein paar hundert Meter von der Farm
entfernt aufgestellt. Die Kleinstädte Willich und Schiefbahn wurden
mobilisiert, sich für eine Schließung der Nerzfarm einzusetzen. „Willich,
Willich aufgewacht. Schluss mit dem Mord in Eurer Nachbarschaft.“ Roßberger
war sichtlich nervös. Die Polizei war es auch. Sie stellte Überwachungskameras
auf, versteckte sich im anliegenden Wald, notierte sich die Namen jener,
die Roßberger einen Mörder nannten. Roßberger war ein Mörder. Millionen
von Nerze sind seine Opfer. Doch leider wurde die Nerzfarm nicht aufgrund
Roßbergers Gewalt gegen diese Nerze geschlossen; er erfüllte einige
baurechtliche und Umweltauflagen nicht. Das bundesdeutsche Rechtssystem
gewährt nichtmenschlichen Tieren keinen Schutz vor Gewalt. Aber nichtsdestotrotz
- die Farm ist zu, die Gewalt dort gestoppt. Der Druck
auf KarstadtQuelle wird erhöht
Das Jahr 2002 begann die Offensive mit einer Demonstration vor der Hauptverwaltung der KarstadtQuelle
AG und Karstadt Warenhaus AG, quasi vor den Büros der Verantwortlichen.
Stundenlang trommelten, riefen und trillerten die TierrechtlerInnen
draußen bei strömenden Regen und störten damit den normalen Geschäftsablauf
des Unternehmens. Noch immer zeigte sich KarstadtQuelle nicht gesprächsbereit.
Der Unternehmenssprecher sagte am Telephon, er wüsste nicht, warum man
miteinander reden sollte, die Positionen seien doch klar. Verweigerte die Konzernleitung das mündliche Gespräch,
so wurde von der Offensive
dazu aufgerufen, mit dieser per Email in Kontakt zu treten: „Sie sind
verantwortlich – lasst sie das wissen!“ Verweigerte die Konzernleitung
ein Treffen, so besuchte die Offensive
sie bei ihren wichtigen Meetings: ihrem Analystenmeeting und ihrer Jahreshauptversammlung.
„Kein Kauftrag für Tiermord“, „Wahlfieber bei Karstadt & Co macht
Tiere krankt“ – die von der Offensive
abgeänderten Werbeslogans Karstadts mussten die leitenden Angestellten
und der Vorstand aber auch die AktionärInnen auf der Presseinformation,
auf den Handzetteln und auf den Transparenten der Offensive
lesen. Bereits beim Analystenmeeting am 22. Mai 2002 zeigte sich, dass
nicht alle leitenden Angestellte des Konzerns sich einverstanden mit
dem Pelzverkauf bei KarstadtQuelle sahen. Es wurden nun konstruktive
Dialoge geführt, wenngleich nicht mit dem Vorstand. Ein Angestellter
versprach, die Kritik der Offensive an einer Fortführung des Pelzverkaufs
in die Analyse des Konzerns mit einfließen zu lassen. Doch der Pelzverkauf
wurde weitergeführt. Inzwischen war die Pelz- und Lederwarenmesse Fur&Fashion
in Frankfurt am Main – Orderstätte für den Pelzeinkauf in der BRD –
abgehalten. Die Offensive ging
davon aus, dass die KarstadtQuelle AG erneut Pelzwaren geordert hat.
Am 11. Juli protestierten bundesweit angereiste TierrechtlerInnen
nicht nur vor dem Haupteingang zur Jahreshauptversammlung der KarstadtQuelle
AG. Während draußen in einem Theaterstück nachgespielt wurde, wie Fuchs,
Kaninchen und Nerz das Fell abgezogen wird - für den Profit der Pelzindustrie
und für KarstadtQuelle -, entrollten in dem Tagungssaal während der
Hauptversammlung zwei Tierrechtler ein Transparent und skandierten „Schluss
mit KarstadtQuelles Mordsgeschäft“. Sie wurden vom Sicherheitsdienst
abgeführt. Was war das denn? Einige AktionärInnen nahmen nun das Flugblatt
der Offensive in die Hand, das ihnen beim Eingang
überreicht wurde. Ihre Aufmerksamkeit war der Offensive nun sicher. Jede Aktionärin und jeder Aktionär ist mit verantwortlich
für die Tätigkeiten des jeweiligen Unternehmens, deren Aktien sie besitzen.
Dies machten auch drei Aktivistinnen der Offensive klar, als sie zum Tagesordnungspunkt „Entlastung des Vorstandes
und Aufsichtsrats“ während der Jahreshauptversammlung jeweils eine Rede
hielten, den Pelzverkauf kritisierten und die AktionärInnen aufforderten,
dem Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern (siehe Archiv auf dieser Website). 2,2 Millionen
Euro Umsatz machte die KarstadtQuelle mit dem Verkauf von Pelzprodukten
allein im ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2002, das erklärte Prof.
Dr. Helmut Merkel, der zuständig für den Einkauf bei Karstadt ist, auf
Anfrage auf der Jahreshauptversammlung. Die Offensive
rief anschließend dazu auf, Prof. Dr. Helmut Merkel, der auf der Hauptversammlung
zudem verlautbaren ließ „Wir nehmen Tierschutz sehr ernst“, aufzufordern,
dieses Bekenntnis auch in die Tat umzusetzen. Seine Privatadresse und
private Telefonnummer wurden veröffentlicht. Bei Berlin hinterließen TierrechtlerInnen derweil bei
einem von KaDeWe ausgetragenen Golfturnier ihre Botschaft gegen Pelz
mit Farbspray - auf Schildern und auf dem Zufahrtsweg. Um KarstadtQuelle und der Öffentlichkeit zu zeigen,
dass sie Tierschutz nicht annähernd ernst nehmen, erstellte die Offensive im Sommer 2002 ein Kampagnenvideo,
das nicht nur über die Kampagne, sondern auch über die Pelztierhaltung
informiert, mit zahlreichen Videoaufnahmen von Nerz- und Fuchsfarmen.
Eine verstärkte Mobilisierung von Aktiven wurde eingeleitet, der Pelzindustrie
ein heißer Herbst angekündigt. Die KarstadtQuelle
AG beendet den Pelzverkauf
Einen heißen Herbst wollte die KarstadtQuelle AG offensichtlich
nicht erleben müssen: Am 27. September 2002 gibt die KarstadtQuelle
AG in einer Pressemitteilung bekannt: „Die KarstadtQuelle AG nimmt mit konzernweit gültigen Sozial- und Umweltstandards,
die verbindlich in einem eigenen Code of Conduct geregelt sind, ihre
gesellschaftspolitische Verantwortung wahr. Dabei wird auch der Tierschutzgedanke
berücksichtigt.“ Der Pelzverkauf laufe im Jahre 2003 aus und zwar einschließlich
aller „Artikel, die Applikationen
aus Echtpelz haben“ (Volltext siehe Archiv auf dieser Website). Damit wurde in der Kampagne gegen die
KarstadtQuelle AG mehr erreicht, als anfänglich gegen C&A. KarstadtQuelle
gab nicht nur bekannt, all ihre noch existierenden Pelzabteilungen zu
schließen, sondern auch den Verkauf von sämtlichen Pelzverbrämungen
zu beenden. Und zwar nicht nur aufgrund der Wünsche der VerbraucherInnen,
sondern auch aufgrund der Verantwortung des Konzerns gegenüber Tieren.
Damit hat sich die KarstadtQuelle AG ein großes Stück bewegt in Richtung
einer fair economy. Die Offensive
dankte allen, die die KarstadtQuelle AG zu dieser Einsicht bewegt hatten,
mit einer Abschlussdemonstration vor Karstadtfilialen. Peek & Cloppenburg & Co. – Ihr seid die nächsten! Es ist selbstredend, dass die Offensive im Laufe der Zeit gewachsen ist und ihre Taktik und ihre
Arbeitsweise verbessern konnte. Mit ihrer Erfahrung wird die Offensive noch im Winter 2002 eine Kampagne
gegen den Pelzverkauf beim Bekleidungsunternehmen Peek & Cloppenburg
beginnen und letztendlich auch hier erfolgreich sein. Es gibt keine
zu verantwortenden Gründe, Tieren ihre Haut und Haare unter Gewaltanwendung
und Mord zu nehmen, um sie mit Stoff zusammengeflickt auf Kleiderbügel
zu hängen und um des Profits willen zu verkaufen. Die Offensive
fordert alle Unternehmen der Textilbranche auf, sich vom Pelzverkauf
unverzüglich zurückzuziehen. Die Kampagne gegen die Pelzindustrie wird
auf allen Ebenen weitergeführt, bis alle Pelztierfarmen geschlossen
und der Pelzhandel beendet ist. Jedes Unternehmen entscheidet eigenverantwortlich
darüber, ob es weiterhin Gewinne aus der Gewalt gegen sogenannte Pelztiere
ziehen möchte und somit ebenfalls Zielobjekt einer Kampagne der Offensive wird, oder ob es aus Respekt
gegenüber den tierlichen Individuen sich von der Gewalt der Pelzindustrie
distanziert und den Verkauf von Pelz beendet. Die Offensive
gegen die Pelzindustrie im November 2002 ________________________________________________________ |